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Grenzkonflikte der Arbeit

Neben dem erweiterten Arbeitsbegriff stellt diese Aspektwahl die wesentliche Neuerung bei der theoretischen Fundierung des Forschungsansatzes dar. Wir greifen dabei auf Ansätze zurück, die bei der Neubegründung der Sozialforschungsstelle 1972 eine große Rolle spielten. Mit dem sozialen Konflikt als Hauptaspekt problemorientierter Forschung ist ein spezifischer Zugriff auf den Gegenstand Arbeit gemeint, der sicherstellen soll, dass sich betriebsbezogene Arbeitforschung hinreichend von der an Produktivität orientierten betriebswirtschaftlichen Forschung unterscheidet, diese also in spezifischer Weise ergänzt. Die Spezifik ergibt sich aus der unterschiedlichen Bewertung der Arbeitsbedingungen und der gerechten Verteilung des Arbeitsertrages zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Frauen und Männern. Es wird also nicht von Gleichgewichtssituationen ausgegangen, sondern von Interessenauseinandersetzungen um die vorhandenen Grenzdisparitäten „von Mühe und Lohn“, wobei die unterschiedlichen Definitionen der Arbeitssituationen in das Zentrum der Betrachtung rücken. Derartige Beschreibungen sind demgemäß nicht allein Aufgabe objektivierender Arbeitswissenschaften, sondern angesichts der Subjektivierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse eher den kultursoziologischen Disziplinen (Hermeneutik, Phänomenologie) zuzuordnen.

Der anthropologische Begriff der Allseitigkeit des Menschen zu sich und seiner Mit- und Umwelt, seine exzentrische Positionalität, weist der Definition von und Auseinandersetzung mit Grenzen (Innen, Zwischen, Außen) eine existenzielle Bedeutung zu. Offene und verdeckte Konflikte, Arbeitsniederlegungen und Erkrankungen verweisen gleichsam auf derartige Grenzprobleme. Über die Herausbildung einer konfliktsimulierenden Funktion der Arbeitsforschung lässt sich Aufklärung und Gestaltung erfolgreich auf die realen Handlungsbedingungen beziehen, an die konfligierende Parteien gebunden sind. Divergierende Bezugssysteme sind gleichzeitig Darstellung divergierender Handlungsstrategien, die Frage der Sicherung und Herstellung von Gesundheit stellt hierbei eine besonders schwierige Aufgabenstellung dar. Wir gehen davon aus, dass angesichts der gesellschaftlichen, globalen Entwicklungen die Fähigkeit der konfliktsimulierenden Funktion der Arbeits- und Sozialwissenschaften eine zunehmende Bedeutung und Nachfrage erfahren wird.