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Primäre und sekundäre Arbeitspolitik und industrielle Beziehungen

Im Bereich der Industriellen Beziehungen spielen insbesondere die Spannungsverhältnisse zwischen Neuansätzen einer primären Arbeitspolitik und alten, institutionalisierten Mustern einer sekundären Arbeitspolitik eine herausgehobene Rolle. So geht es in den jüngsten Projekten, die im Forschungsbereich bearbeitet wurden, z.B. um das Verhältnis von neuen Beteiligungsansätzen auf Basis dezentraler und vernetzter Reorganisation von Arbeitsprozessen und Formen institutionalisierter Mitbestimmung einerseits sowie die Gestaltung solcher Mitbestimmung angesichts einer scheinbaren Verflüchtigung strategischer Entscheidungszentren. Analog zu solchen Entwicklungen, die in der Forschung derzeit vorzugsweise in fortgeschrittenen Bereichen der informationalisierten Ökonomie untersucht werden, interessieren ähnliche Spannungsverhältnisse auch in Bezug auf eher konventionelle Bereiche industrieller Arbeit sowie auf überkommene institutionelle und bürokratische Strukturen betrieblicher und gewerkschaftlicher Interessenvertretung und neue, eher netzwerkförmig organisierte arbeitspolitische Handlungsansätze.

Wir gehen von tief greifenden Umbrüchen unserer überkommenen Arbeitsgesellschaft aus, die wir als „Epochenbruch“ im Ausgang einer gemeinhin als fordistisch (tayloristisch, keynesianisch, sozialstaatlich) bezeichneten Epoche verstehen. Deren „Nachher“ wird als offen, unbestimmt, diffus, riskant erlebt. "Arbeit im Übergang" stellt dabei, gerade auch aus der Perspektive des Bewältigungshandelns der neuen „Arbeitskraftunternehmer“ oder „unselbständigen Selbständigen“ eine große Herausforderung empirischer Arbeitsforschung dar.

Von den Umbrüchen der „institutionell verfassten Arbeitsgesellschaft“ in Mitleidenschaft gezogen werden vor allem die vielgestaltigen sog. intermediären Strukturen (Institutionen), wie sie sich in kulturellen, gesellschaftlichen oder politischen Einrichtungen herausgebildet haben. Der stabile institutionelle Wandel der Nachkriegszeit ist weitgehend abgelöst von institutionellen Auflösungen und Strukturbrüchen, die sich auch im Bereich der Arbeitswelt zunehmend bemerkbar machen. Dies wird von den Menschen sowohl als Befreiung wie auch als Gefährdung erlebt, oft nacheinander, gleichzeitig, schichtenspezifisch, wie die Auseinandersetzungen um die Zukunft des Sozialstaates es aktuell deutlich machen.

Es gilt, über eine primäre Arbeits- und Wissenspolitik nachzudenken, die an den ‚wirklichen’ Prozessen ansetzt, wie sie in Betrieben und anderen gesellschaftlichen Teilbereichen, Instituten, Verbänden, Gemeinden bis hin zu den Familien alltäglich ablaufen. Der Forschungsbereich knüpft hier mit empirischen Projekten und konzeptionellen Beiträgen u.a. an aktuelle arbeits- und industriesoziologische Debatten an. Zwischenergebnisse werden 2007 u.a. in einer Buchveröffentlichung dokumentiert ("Industriesoziologie im Aufbruch"). Seit vier Jahren beteiligen sich Mitglieder des Forschungsbereichs deshalb im Rahmen des Forums Neue Politik der Arbeit gemeinsam mit dem DGB Berlin-Brandenburg und dem Berliner inEcom Institut daran, diese Fragen in einem überdisziplinären Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis systematisch zu bearbeiten

In einem aktuellen Projekt zu den Ärztestreiks im Frühjahr und Sommer 2006 sind Bedingungen, Entwicklungsdynamiken und mögliche Folgen des primären arbeitspolitischen Handelns dieser Gruppe hoch qualifizierter Beschäftigter aufgehellt worden - auch im Hinblick auf möglicherweise verallgemeinerbare arbeitspolitische Schlussfolgerungen." In einem weiteren Projekt über "Standortkonflikte im Kontext einer 'neuen Politik der Arbeit'", das im Herbst 2007 anläuft, zielt die Analyse von Auseinandersetzungen um den Abbau oder Erhalt von Arbeitsplätzen über jeweilige konkrete Konfliktlösungen hinaus v.a. auf die Frage nach dem Entstehen neuer Räume für die Entfaltung innovativer arbeitspolitischer Potentiale.